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Sicherheit am Gewässer: Jungangler lernen Lebensrettung unter freiem Himmel
Biberach – Ein Vormittag am Ufer, der im Ernstfall Leben retten kann: Am Sonntag, den 28. Juni 2026, verwandelte sich das Vereinsgewässer des Kreissportfischereivereins (KSFV) Biberach e.V. in ein Freiluft-Klassenzimmer für Erste Hilfe. 13 Teilnehmende – darunter acht Jugendliche und fünf Erwachsene – nutzten die dreistündige Schulung, um Theorie und Praxis direkt in der Natur miteinander zu verbinden. Die vom KSFV-Kursleiter Patrick Lemli geleitete Veranstaltung stärkte zudem die kameradschaftliche Verbindung zwischen dem KSFV Biberach, unter der Organisation von Jugendleiter Jakob Schremf und den Gästen des Angel- und Gewässerschutzvereins (AGV) Ummendorf e.V. um dessen Jugendleiter Alexander Kröner.
Für die Nachwuchsangler hatte dieser Kurs eine ganz besondere Bedeutung: Die erfolgreiche Teilnahme ist ein verpflichtendes Modul für die sogenannte „16er-Freigabe“. Diese KSFV-interne Regelung erlaubt es Jugendlichen ab 16 Jahren, eigenständig fischen zu gehen. Sie stellt sicher, dass die jungen Angler nicht nur das fischereiliche Handwerk, sondern im Notfall auch verantwortungsvolles Handeln und schnelle Hilfe am Wasser beherrschen.
Fleischwunden an Karotten und Haken im Würstchen
Unter der fachkundigen Anleitung von Patrick Lemli wurden typische Verletzungen, die beim Angeln auftreten können, realitätsnah simuliert. Um ein Gefühl für die Wundversorgung zu bekommen, übten die Teilnehmenden das Versorgen von Schnittwunden an Karotten. Hakenverletzungen wurden plastisch an Saitenwürstchen erprobt. Dabei prägten sich zentrale Sicherheitsregeln fest ein: Wunden dürfen niemals mit Gewässerwasser gespült werden, um schweren Infektionen vorzubeugen. Zudem gilt das strikte Verbot, tiefsitzende Angelhaken selbst zu entfernen. Der Fokus lag hierbei auf dem sterilen Abdecken der Wunde und der Notwendigkeit einer anschließenden ärztlichen Nachsorge.
Augennotfälle und Sommerhitze im Fokus
Besondere Aufmerksamkeit widmete der Kurs augen- und hitzebedingten Notfällen, die am Wasser schnell unterschätzt werden. Augenverletzungen wurden klar als medizinische Akutfälle eingestuft. Die Teilnehmenden lernten, dass im Ernstfall beide Augen locker abzudecken sind, Fremdkörper nicht selbst entfernt werden dürfen und der Transport zum Augenarzt möglichst erschütterungsarm erfolgen muss.
Auch die Gefahren durch anhaltende Sonneneinstrahlung und Dehydrierung wurden intensiv besprochen. Warnsignale wie Kopfschmerzen, Schwindel und dunkler Urin wurden als klare Alarmzeichen definiert. Zur Prävention gilt am Gewässer die Faustregel: Mindestens 200 Milliliter Flüssigkeit alle 60 Minuten trinken. Während bei einer Hitzeerschöpfung Schatten, flaches Liegen und das Hochlagern der Beine helfen, erfordert ein echter Hitzschlag den sofortigen Notruf (112) und eine aktive Kühlung des Betroffenen.
Mit der „PECH-Regel“ fit für den Ernstfall
Der Höhepunkt des Vormittags war das direkte Training „am Patienten“. Schritt für Schritt wurde der Ablauf beim Auffinden einer bewusstlosen Person trainiert: vom lautstarken Ansprechen über das sanfte Schütteln und die Atemkontrolle bis hin zur korrekten Drehung in die stabile Seitenlage. Ergänzt wurde die Praxis durch die Verbandslehre sowie die Versorgung von Gelenkverletzungen nach der bekannten PECH-Regel (Pause, Eis/Kühlen mit Tuchschutz, Compression, Hochlagern).
Heiko Richert, erster Vorsitzender des KSFV Biberach, zog ein durchweg positives Fazit: „Ich bin zutiefst beeindruckt vom Fleiß und der Lernbereitschaft der Teilnehmenden. Das richtige Verhalten in Notfällen ist nicht nur am Gewässer unverzichtbar. Es erfreut mich außerordentlich, dass es uns gelungen ist, diese zielorientierte und praxisnahe Ausbildung komplett aus den eigenen Reihen zu organisieren.“
Der Kurs vermittelte nicht nur lebensrettende Handgriffe, sondern förderte auch das Verantwortungsbewusstsein der Jugendlichen und den wichtigen Austausch zwischen den beiden Nachbarvereinen. Ein herzlicher Dank der Organisatoren gilt dem Kursleiter, den Gästen aus Ummendorf und allen Helfern des KSFV. Mit diesem fundierten Wissen im Gepäck sind die Jungangler nun bestens gerüstet, um Natur und Fischwaid sicher zu genießen. Das Motto für die Zukunft am Wasser steht fest: Immer dabei, immer bereit.
Bilder: Jakob Schremf, privat
